Hunde kommunizieren ununterbrochen mit uns – allerdings selten lautstark. Bevor ein Hund knurrt oder wegrennt, nutzt er eine Vielzahl sogenannter Beschwichtigungssignale (Calming Signals). Diese feinen Mikro-Gesten dienen dazu, eigene Spannungen abzubauen, Gegenüber zu beruhigen und Konflikte frühzeitig zu deeskalieren. Wer diese Signale im Alltag erkennt, kann Überforderung verhindern, bevor Stress entsteht.
WARUM BENUTZEN HUNDE BESCHWICHTIGUNGSSIGNALE?
Die Kynologin Turid Rugaas prägte den Begriff der Calming Signals. Hunde setzen diese Signale nicht nur bei Artgenossen ein, sondern vor allem in der Kommunikation mit uns Menschen. Sie bedeuten meist: „Ich fühle mich gerade unwohl, bitte nimm etwas Druck raus.“
DIE 5 WICHTIGSTEN BESCHWICHTIGUNGSSIGNALE IM ALLTAG
1. Züngeln (Über die Schnauze lecken)
Ein kurzes, schnelles Blitzen der Zunge über die eigene Nase – oft nur für den Bruchteil einer Sekunde. Es tritt häufig auf, wenn wir uns über den Hund beugen, ihn umarmen oder ihn frontal anstarren.
2. Wegsehen oder den Kopf abwenden
Wendet dein Hund den Blick bewusst ab oder dreht den ganzen Kopf zur Seite, ist das kein Ungehorsam. Er signalisiert höflich: „Ich suche keinen Konflikt, bitte gib mir etwas Raum.“
3. Stress-Gähnen
Gähnt dein Hund in Situationen, in denen er eigentlich nicht müde ist (z. B. beim Tierarzt, beim Bürsten oder bei der Beziehungsarbeit im Training), ist das ein klassisches Ventil, um innere Anspannung abzubauen.
4. Verlangsamung der Bewegungen
Wenn du deinen Hund rufst und er plötzlich wie in Zeitlupe auf dich zukommt, liegt das meist an einer strengen Körperhaltung oder einem genervten Tonfall deinerseits. Er beschwichtigt deine Energie durch langsames Gehen.
5. Erstarren (Freeze)
Friert der Hund in seiner Bewegung kurz ein und wird ganz starr, ist das ein klares Warnsignal für ein sehr hohes Stresslevel. Hier sollte die Situation sofort aufgelöst werden.
PRAXIS-TIPP: SO REAGIERST DU RICHTIG
Wenn du eines dieser Signale bei deinem Hund bemerkst, bestrafe ihn niemals dafür. Bedanke dich gedanklich bei ihm für seine ehrliche Kommunikation! Vergrößere den Abstand zur Stressquelle, lockere deine eigene Körperhaltung und schenke deinem Hund den Raum, den er gerade braucht.
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